Denkmal und kunst
Im Wandel gelebter Gemeinschaft
Die barocke Anlage der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung prägt bis heute das Stadtbild von Essen-Steele. Als bedeutendes Kulturdenkmal gehört sie zu den wenigen nahezu vollständig erhaltenen Bauwerken aus der Zeit der Stifterin. Gemeinsam mit ihren kunsthistorischen Schätzen ist sie lebendiges Zeugnis Essener Stadtgesichte. Zugleich erinnert sie an ihren ursprünglichen Auftrag, der bis heute nicht an Aktualität verloren hat.
Ein Zuhause für Waisenkinder
Das historische Stiftungsgebäude ist zwischen 1765 und 1769 unter Fürstäbtissin Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach errichtet worden. Mit der Planung des Gebäudes wurde zunächst der Hofbaumeister Kees betraut, der auch für Umbauten am Schloss Borbeck verantwortlich war. Die weitere Bauleitung übernahm ab 1767 der Bauunternehmer Joseph Judas, der die Anlage in ihrer heutigen Form vollendete.
Franziska Christine verband mit dem Bau mehrere Anliegen: Sie wollte ein Zuhause für Waisenkinder, 15 Mädchen und 15 Jungen schaffen, einen geistlichen Mittelpunkt mit eigener Kapelle errichten und zugleich einen Ort, an dem sie selbst im Alter unter „ihren Kindern“ leben und schließlich ihre letzte Ruhestätte finden konnte. Für die Menschen im damaligen Steele muss das Gebäude beeindruckend gewirkt haben. Während die meisten Familien in einfachen Fachwerkhäusern lebten, entstand hier ein großzügiger barocker Gebäudekomplex für die ärmsten Kinder der Gesellschaft.
Quelle: LAV NRW R, RW Karten Nr. 3940 a
Lizenz: CC BY-SA. [Digitalisat / Fundstelle im Online-Findmittelsystem]
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Zeugnis Moderner Pädagogik
Eine Besonderheit auf dem Gelände der Stiftung war zu ihren Gründungszeiten der Mühlbach, der damals noch oberirdisch sichtbar war. Franziska Christine ließ ihn aufstauen, um ihn als Schwimmbahn zu nutzen. Auf einer Länge von rund fünfzig Metern konnten die Jungen des Waisenhauses schwimmen lernen.
Bereits im 18. Jahrhundert verfügte die Stiftung außerdem über ein eigenes Schulhaus. Jungen und Mädchen erhielten Unterricht, Ausbildungen wurden gefördert und für den Übergang ins Erwachsenenleben wurde Vorsorge getroffen.
Franziska Christine verfolgte damit ein für ihre Zeit außergewöhnlich modernes pädagogisches Konzept, welches über die reine Versorgung der Kinder hinausging.
Die Stiftungskapelle
Mitten im Herzen der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung befindet sich ihr wohl bedeutendster historischer Ort: die Stiftungskapelle.
Symmetrisch daran ausgerichtet worden sind die beiden Wohnflügel, womit die Anordnung der Gebäude dem barocken Ideal von Ordnung, Klarheit und Harmonie folgt. Diese architektonische Entscheidung spiegelt das Verständnis der Stifterin wider, nachdem Glaube und die Sorge um die ihr anvertrauten Kinder das Herzstück des Hauses bildeten.
Der Steinboden sowie große Teile der Inneneinrichtung der Stiftungskapelle stammen noch aus der Gründungszeit. Die Kapelle gehört damit zu den wenigen Orten in Essen, an denen barocke Raumgestaltung in ihrer ursprünglichen Wirkung bis heute erlebbar geblieben ist.
Mitten unter ihren Kindern
Fürstin Franziska Christine entschied sich bewusst gegen eine Grablege unter den Mächtigen ihrer Zeit. Sie wollte dort ruhen, wo ihr Herzensanliegen lebte: mitten im Waisenhaus, mitten unter den Kindern.
Ihr Grab im Zentrum der Kapelle ist bis heute ein sichtbares Zeichen dafür, dass Fürsorge, Verantwortung und Nähe den Kern ihres Handelns bildeten.
Ebenfalls mit der Fürstin beigesetzt sind ihr Beichtvater und Jesuitenpater Nikolaus Marner sowie ihr Kammerdiener Ignatius Fortuna.
Gemeinschaft und glauben
Die Stiftungskapelle verbindet bis heute Geschichte, Kunst, Glauben und gelebte Gemeinschaft. Ihre kunsthistorischen Schätze zeichnen sie als geistlichen Mittelpunkt im Stiftungsleben zahlreicher Generationen von Kindern aus.
Hier versammelten sie sich zum Gebet, zu Gottesdiensten und zu besonderen Festen. Noch immer finden in der Stiftungskapelle regelmäßig Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Konzerte und Gedenkfeiern statt.
Ein lebendiges Denkmal
Das historische Ensemble steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Es erinnert nicht nur an die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, sondern auch an eine Haltung, die bis heute das Selbstverständnis der Stiftung prägt: Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die besonderen Schutz und Unterstützung benötigen.
In den mehr als 250 Jahren seit ihrer Gründung hat die Stiftung politische Umbrüche, Kriegszeiten, gesellschaftlichen Wandel und sogar erhebliche Bergbauschäden überstanden. Die Herausforderungen haben sich im Laufe der Zeit verändert, auch die Menschen, deren Leben die Stiftung begleitet, sind heute andere, geblieben ist aber die Überzeugung, jungen Menschen Halt, Bildung und Zukunftschancen zu eröffnen.
Die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung verbindet damit seit Generationen Tradition und Innovation, historisches Erbe und moderne soziale Arbeit. Sie bewahrt ihre Geschichte, um aus ihr Verantwortung für die Zukunft zu gestalten. Dies macht sie zu einer Besonderheit, die weit über ihren Standort hinausreicht.
Ausstattung der Kapelle
Besonders prägend unter den kulturellen Schätzen der Stiftung sind die Gemälde des bedeutenden Rokoko-Malers Januarius Zick, den Fürstin Franziska Christine eigens für die Ausstattung ihrer Kapelle gewinnen konnte. Das zentrale Altarbild zeigt Maria als Immaculata, flankiert vom heiligen Josef, dem Beschützer und Vater Jesu, sowie dem heiligen Aloysius von Gonzaga, dem Schutzpatron der Jugend. Zwei weitere Gemälde zeigen den heiligen Franziskus von Assisi und die heilige Walburga. Persönlichkeiten, deren Werte von Fürsorge, Bescheidenheit, Verantwortung und Glauben bis heute eine besondere Verbindung zum Auftrag der Stiftung erkennen lassen. Altäre, Beichtstühle und Orgelprospekt sind aus massivem Eichenholz, gefertigt von Joseph Feil nach Vorbildern von Johann Konrad Schlaun. Figuren über den Beichtstühlen symbolisieren die vier letzten Dinge: Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Der Hauptaltar wird flankiert von den Standbildern der Hl. Franziska und Hl. Christina.
Die Ahnengalerie
Der historische Ahnensaal erinnert mit seinen Gemälden bis heute an die Herkunft der Stifterin. Portraitiert sind dort Fürstin Franziska Christine, ihr Berater sowie ihre Verwandten. Das zentrale Staatsportrait der Fürstin wurde 2016 restauriert, die übrigen Gemälde benötigen ebenfalls Restaurierungsmaßnahmen, wobei der Förderverein unterstützt.
Bewahren und entwicklen
Seit September 2017 vermittelt der Förderverein Patenschaften für die einzelnen Bilder. Wenn Sie Interesse an einer Patenschaft haben, informieren Sie sich hier über die einzelnen Gemälde, die geplanten Restaurierungen und die entstehenden Kosten.
Bitte näher beschreiben, wie wird man Pate, was kostet das, welche Vorteile hat das?????