Geschichte
Franziska Christine – Mehr als eine Stifterin
Wer sich mit der Geschichte von Fürstäbtissin Franziska Christine beschäftigt, begegnet einer Frau mit außergewöhnlichem Weitblick. Sie gründete kein Waisenhaus, weil es ihre Pflicht war. Sie schuf einen Ort, an dem Kinder Schutz, Bildung und neue Chancen erhalten sollten und das in einer Zeit, in der Waisenkinder oft zu den schutzlosesten Menschen der Gesellschaft gehörten. Diese Überzeugung, dass jedes Kind Aufmerksamkeit, Bildung und Zukunft verdient trägt die Stiftung bis heute.
Symbolträchtige Darstellung
Das Wappen der Fürstäbtissin Franziska Christine erzählt Geschichten und ist in das Wappen des Stiftes Essen integriert. Es verbindet Familien- und Stiftswappen zu einer symbolträchtigen Darstellung.
Die über einem Kranz gekreuzten Schwerter stehen für das Stift Essen, in dem die Äbtissinnen sowohl weltliche als auch geistliche Herrscherinnen waren.
Gekreuzte Pfeile mit fünf-einhalb Kugeln symbolisieren das Ländchen Breisig am Rhein.
Das Kreuz über dem Fluss (Ruhr) repräsentiert das Stift Rellinghausen.
Rad mit Krone steht für die Herrschaft Huckarde (Dortmund).
Das Wappenschild in der Mitte zeigt die Geschlechtergeschichte mit ihren Stammlanden sowie den beherrschten und beanspruchten Gebieten.
Durch die Verbindung der beiden Wappen erinnert Franziska Christine bewusst an ihre Herkunft und bekennt sich gleichzeitig zum Stift Essen.
Das Wappenschild ist auf einem fürstlichen Mantel unter der Fürstenkrone drapiert.
Das Schwert weist auf die weltlichen Kompetenzen hin, der Krummstab auf die geistlichen Aufgaben der Fürstäbtissin.
Fürstin Franziska Christine
Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach (1696–1776) war Fürstäbtissin von Thorn und Essen. Schon früh in die Obhut des hochadeligen Damenstifts Thorn gegeben, übernahm sie 1717 die Äbtissinnenwürde dort und 1726 zusätzlich im Stift Essen. Ihr besonderes Engagement galt dem Steeler Waisenhaus, das sie gründete und leitete. Sie sorgte persönlich für Bau, Ausstattung und die Ausbildung der Waisenkinder, wobei Lesen, Schreiben, Rechnen und handwerkliche Fähigkeiten vermittelt wurden. Mit der Gründung der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung 1764 legte sie den Grundstein für eine weltliche Sozialstiftung, die bis heute besteht und der Fürsorge für Kinder dient. Damit ist das größte Vermächtnis der Fürstin die Überzeugung, dass jedes Kind Aufmerksamkeit, Bildung und Zukunft verdient. Eine Überzeugung, die ihre Stiftung seit mehr als 250 Jahren trägt.
Ein kurzer Überblick
Die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung steht seit mehr als zwei Jahrhunderten für gelebte Fürsorge und soziales Engagement.
Ahnensaal und Stiftungskapelle
Die Stiftungskapelle und unserer Ahnensaal laden dazu ein, die über 250-jährige Geschichte der Stiftung hautnah zu erleben. Die historischen Räume beherbergen besondere Ausstattungsstücke aus der Gründungszeit und geben Einblicke in Herkunft und Auftrag der Stifterin Fürstäbtissin Franziska Christine.
Historische Schätze
Die barocke Anlage der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung prägt bis heute das Stadtbild von Essen-Steele. Als bedeutendes Kulturdenkmal gehört sie zu den wenigen nahezu vollständig erhaltenen Bauwerken aus der Zeit der Stifterin. Gemeinsam mit ihren kunsthistorischen Schätzen ist sie lebendiges Zeugnis Essener Stadtgesichte. Zugleich erinnert sie an ihren ursprünglichen Auftrag, der bis heute nicht an Aktualität verloren hat.